Gemeinsam stark – Ganslbauern meistern Lock Down mit Bravour

Obfrau der Österreichischen Weidegans Heidi Hebesberger, Ganslbäuerin Sonja Pilz, Gasthaus Schupf´n-Wirtin Silke Guttner und Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger bei der heutigen Pressekonferenz am Ganslhof von Heidi Hebesberger Fotos: Land OÖ/Ernst Grilnberger

Obfrau der Österreichischen Weidegans Heidi Hebesberger, Ganslbäuerin Sonja Pilz, Gasthaus Schupf´n-Wirtin Silke Guttner und Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger bei der heutigen Pressekonferenz am Ganslhof von Heidi Hebesberger
Fotos: Land OÖ/Ernst Grilnberger

 

Seit dem Start des Projekts „Oberösterreichische Weidegans (ÖWG)“ im Jahr 1992 baut der Verband auf die regionale Verwurzelung. Der Erfolg gibt ihm Recht. Mittlerweile wurde das Projekt auf andere Bundesländer ausgedehnt. 275 Mitglieder im Projekt verkaufen in ganz Österreich jährlich rund 45.000 Gänse.
Regionalität bedeutet bei den Weidegänsen auch die Haltung der Gänseelterntiere im Bezirk Vöcklabruck. Ausgebrütet werden diese Bruteier in 32 Tagen ebenfalls im Bezirk Vöcklabruck in der einzigen Gänsebrüterei Österreichs. Von den 275 Mitgliedsbetrieben der ÖWG arbeiten 95 Ganslbauern in biologischer Wirtschaftsweise. In Oberösterreich halten 120 Betriebe rund 20.000 Gänse. „Die enge Vernetzung der Betriebe geht bei den Ganslbäuerinnen und Ganslbauern aber auch bei der Vermarktung weiter. Ein großer Teil des Absatzes geht in die Gastronomie, belastbare Partnerschaften haben sich gebildet. Genau hier setzt das Genussland OÖ an und bringt die landwirtschaftlichen Erzeugerinnen und Erzeuger mit den Gastronomie-Betrieben zusammen. Im aktuellen Lock-Down hat sich diese enge Kooperation besonders bezahlt gemacht. Die Bewerbung des Gansl Take-Away oder auch Gansl to go durch das Genussland und die Bemühungen der Gansl-Bauern selbst haben sogar zu einem stärkeren Absatz als in normalen Jahren geführt. Die Bindung zwischen den Produzenten über die Gastronomie bis hin zu den Genießern der heimischen Gansln hat sich in den letzten Jahren so gut entwickelt und als so belastbar erwiesen, dass in kürzester Zeit die drohende Absatzflaute verhindert werden konnte. Das ist mal eine Erfolgsgeschichte“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Heimische Daune – Unternehmergeist findet Tierwohl
Weidegänse werden besonders tierfreundlich gehalten. Die Richtlinien des Verbands sehen 100 Quadratmeter Weide vor statt 10 Quadratmeter bei der Freilandgans. Futtergrundlage der Tiere ist zum überwiegenden Anteil die Weide, die Zufütterung von Getreide ist aufgrund der großen Weidefläche untergeordnet. Die Gänse werden bereits in der Jugendphase möglichst viel im Freien gehalten und entwickeln daher besonders dichte und isolierende Daunen.
Die Verarbeitung dieser Daunen samt angeschlossenem Hofladen stellt eine weitere Erfolgsgeschichte am Ganslhof Hebesberger dar. Die durch die Rupfung der geschlachteten Gänse gewonnenen Daunen sind ein wertvoller und ohne Tierqualen gewonnener Rohstoff. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern gibt es keine Lebendrupfung in Österreich.

 

Obfrau der Österreichischen Weidegans Heidi Hebesberger und Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger bei der heutigen Pressekonferenz am Ganslhof von Heidi Hebesberger Fotos: Land OÖ/Ernst Grilnberger,

Erfolgreiche Take-Away Initiative während des Lock-Downs
Die Schließung der Gastronomie mit der Ausnahme des Abholens von Speisen ab 3. November 2020 hatte auch massive Auswirkungen auf die Ganslbäuerinnen und Ganslbauern. Der Absatz der Gänse findet zum überwiegenden Anteil in den Wochen rund um den 11. November, dem Fest des heiligen Martin, statt. Schnell folgten Stornierungen von Bestellungen, die Ganslbauern drohten auf ihrer Ware sitzen zu bleiben. „Gleich nach Allerheiligen habe ich das Handy praktisch nicht mehr aus der Hand gelegt. Zahlreiche Verbandsmitglieder meldeten sich, gleichzeitig habe ich möglichst viele Medien angerufen, um auf die schwierige Situation aufmerksam zu machen. Die Reaktion war unglaublich. Die Bewerbung des Take-Away Gansls durch das Genussland OÖ, die Bemühungen des Netzwerk Kulinarik mit ihrem Gansl to go auf Bundesebene, die Aufrufe auf Social Media und unsere generelle Medienpräsenz führten zu einer hohen Nachfrage. Seitens der Gastronomie beteiligte sich rund die Hälfte an der Aktion, die verkauften umso mehr. Und was noch an Gänsen vorhanden war, nahmen Privathaushalte ab. Innerhalb von acht Tagen waren die Gansl verkauft und um den Martinitag waren keine freien Gansln mehr verfügbar. Das hatte eine unglaubliche Dynamik“, fasst Heidi Hebesberger zusammen: „Schlussendlich haben wir die Nachfrage sogar Richtung Enten umgeleitet, damit wir alle Anfragen beantworten konnten.“